Embodiment - Raus aus dem Kopf - Rein in den Körper.
Das Gedankenkarussell stoppen… Hochsensible Menschen haben oft einen unglaublich wachen Geist, nehmen feinste Nuancen wahr und denken in komplexen Zusammenhängen. Doch wie gelingt es uns, aus dem ständigen Denken wieder ins bewusste Fühlen zu kommen?

Das Gedankenkarussell stoppen… Hochsensible Menschen haben oft einen unglaublich wachen Geist, nehmen feinste Nuancen wahr und denken in komplexen Zusammenhängen. Doch wie gelingt es uns, aus dem ständigen Denken wieder ins bewusste Fühlen zu kommen und unseren Körper als wertvolle Ressource für innere Ruhe, Klarheit und neue Lebensenergie zu nutzen?
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper - Embodiment
Wie wir durch bewusste Körperwahrnehmung mehr innere Ruhe, Klarheit bei Entscheidungen und Lebensenergie finden.
Wir leben in einer Welt, in der unser Intellekt einen enorm hohen Stellenwert hat. Wir denken, analysieren, planen, hinterfragen, verlangen wissenschaftliche Beweise und versuchen, für möglichst alles eine rationale Erklärung oder Lösung zu finden.
Unser Verstand ist zweifellos ein wunderbares Werkzeug. Doch manchmal wird das ständige Nachdenken selbst zur Belastung. Gedanken drehen sich im Kreis, Entscheidungen werden immer komplexer und komplizierter und trotz aller Überlegungen finden wir nicht die Klarheit, nach der wir uns eigentlich sehnen.
Gleichzeitig sind wir es in unserer leistungsorientierten Gesellschaft gewohnt, zu funktionieren…
Viele von uns übergehen ihre Müdigkeit, ignorieren erste Anzeichen von Anspannung und nehmen sich oft erst dann Zeit für Erholung, wenn der Körper bereits deutliche Signale sendet oder kränkelt.
Dabei übersehen wir leicht eine unserer wertvollsten Ressourcen: unseren eigenen Körper.
Denn unser Körper ist weit mehr als ein Vehikel, das uns durch den Alltag trägt. Er steht in einem ständigen Wechselspiel mit unseren Gedanken, Gefühlen und unserem emotionalen Erleben. Genau hier setzt Embodiment an.
Dieser Ansatz eröffnet uns die Möglichkeit, unseren Körper bewusster wahrzunehmen, seine feinen Signale als wertvolle Informationen zu nutzen und gleichzeitig über Bewegung, Atmung und Körperhaltung auch unser Denken und Fühlen positiv zu beeinflussen.
Es geht also keineswegs darum, unseren Verstand auszuschalten (das funktioniert ohnehin meist nicht auf Knopfdruck 😉). Vielmehr dürfen wir lernen, Körper, Herzensweisheit (Intuition) und Geist wieder miteinander in Einklang zu bringen.
Für mehr innere Ruhe, Lebendigkeit, Klarheit bei Entscheidungen und die Fähigkeit, auch in herausfordernden Lebenssituationen mit uns selbst gut verbunden zu bleiben - als Basis für echte Verbundenheit mit unseren Mitmenschen.
Es geht darum, wieder in unseren Körper nach Hause zu kommen.
Mir persönlich hat die intensive Auseinandersetzung und persönliche Übungspraxis im Hatha Yoga, mit der ich vor vielen Jahren begonnen habe, ganz neue Dimensionen von Wohlbefinden und bewusster Wahrnehmung geschenkt. Falls dich das auch interessiert, wirf gerne einen Blick auf mein Physio-Yoga Angebot: https://nadinepetzel.com/female-flow-physio-yoga/

Was bedeutet Embodiment?
Embodiment bedeutet übersetzt „Verkörperung“. Der Begriff beschreibt in der Psychologie, Kognitionswissenschaft und Neurowissenschaft die enge Wechselwirkung zwischen unserem Körper – Physiologie, Mimik, Gestik und Haltung – und unserem Denken, Fühlen und Bewusstsein.
Unser Körper beeinflusst unsere Gedanken und Gefühle – und unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen wiederum unseren Körper.
Vielleicht kennst du das: Du machst dir Sorgen und bemerkst plötzlich, wie sich dein Bauch zusammenzieht oder dein Kiefer und deine Schultern verspannen.
Oder du gehst nach einem herausfordernden Tag hinaus in die Natur, bewegst dich, atmest tief durch – und auf einmal erscheint dir vieles wieder leichter und klarer.
Die Situation hat sich vielleicht gar nicht verändert. Aber dein körperlicher und emotionaler Zustand ist ein anderer geworden.
In ihrem Buch „Embodiment – Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen“ beleuchten Maja Storch, Benita Cantieni, Gerald Hüther und Wolfgang Tschacher dieses Zusammenspiel aus unterschiedlichen Perspektiven.
Ein spannendes Experiment: Kann unsere Mimik unsere Gefühle beeinflussen?
Ein bekanntes Experiment aus der Psychologie macht die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche besonders anschaulich.
1988 untersuchten Fritz Strack, Leonard Martin und Sabine Stepper, ob unsere Gesichtsmuskulatur beeinflussen kann, wie wir etwas emotional erleben.
Die Versuchspersonen sollten einen Stift entweder zwischen den Zähnen oder mit den Lippen halten.
Der Unterschied: Beim Halten zwischen den Zähnen werden Gesichtsmuskeln aktiviert, die auch beim Lächeln beteiligt sind.
Anschließend bewerteten die Teilnehmenden verschiedene Cartoons.
Das überraschende Ergebnis der ursprünglichen Studie: Die Personen, die den Stift zwischen den Zähnen hielten, fanden die Cartoons lustiger.
Die Erklärung dafür liefert die sogenannte Facial-Feedback-Hypothese: Nicht nur unsere Emotionen beeinflussen unseren Gesichtsausdruck, sondern auch unsere Mimik kann unser emotionales Erleben mitgestalten.
Allerdings konnte das ursprüngliche Experiment in späteren Wiederholungsstudien nicht zuverlässig bestätigt werden. Eine große internationale Untersuchung aus dem Jahr 2022 fand wiederum Hinweise darauf, dass bewusstes Lächeln unser Glücksempfinden leicht beeinflussen kann. Für die Stift-Methode selbst blieben die Ergebnisse uneindeutig.
Dennoch zeigt dieser Forschungsbereich, wie spannend die Beziehung zwischen körperlichem Ausdruck und emotionalem Erleben ist.
Für mich ist diese Verbindung seit mehr als 20 Jahren ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit als ganzheitliche Physiotherapeutin, Yogalehrerin und psychosoziale Beraterin.
Denn nachhaltige Gesundheit entsteht aus meiner Sicht nicht dadurch, dass wir unseren Körper isoliert betrachten. Es lohnt sich, auch unsere Gefühle, Gedanken, Glaubensmuster, Gewohnheiten und Lebensumstände einzubeziehen.
Wenn der Kopf keine Ruhe findet – warum wir wieder fühlen lernen dürfen
Manche Menschen haben einen unglaublich wachen, komplexen und schnellen Geist. Vor allem bei hochsensiblen und hochbegabten Menschen beobachte ich immer wieder eine starke Tendenz zum sogenannten Overthinking.
Sie erkennen Zusammenhänge, denken weit voraus und vernetzt, beschäftigen sich intensiv mit den emotionalen Befindlichkeiten ihrer Mitmenschen und ihren 1.586 neuen Ideen. 😉
Das sind extrem wertvolle Fähigkeiten!
Schwierig wird es allerdings, wenn aus bewusstem Nachdenken ein nicht enden wollendes Gedankenkarussell wird.
Wir grübeln, zerdenken Situationen, führen Gespräche immer wieder in Gedanken und versuchen, durch noch mehr Analyse endlich Klarheit zu finden.
Dabei führt uns das Denken manchmal immer weiter weg von uns selbst.
Was Stress mit unserem Denken macht
Wenn wir unter akuten (oder chronischen) Stress geraten, aktiviert unser autonomes Nervensystem körperliche Reaktionen, die uns auf Herausforderungen vorbereiten. Herzschlag und Muskelspannung können zunehmen, die Atmung wird schneller, meist auch flacher. Die entspannte, tiefe Zwerchfellatmung, die unsere Bauchorgane massiert und die Verdauung unterstützt, fehlt.
Gleichzeitig verändert sich unsere Informationsverarbeitung.
Unter starkem Stress können insbesondere jene Funktionen des präfrontalen Cortex beeinträchtigt werden, die wir für komplexes Denken, Abwägen und flexible Entscheidungen benötigen. Bedrohungsbezogene Netzwerke, an denen unter anderem die Amygdala (das ist der sogenannte „Mandelkern“, der in dem Bereich unseres Gehirns liegt, in dem wir Gefühle verarbeiten) beteiligt ist, gewinnen stärker an Einfluss.
Vielleicht kennst du die Situation, dass plötzlich alles enger wird – nicht nur im Bauch oder Brustkorb, sondern auch im Geist. Unsere Handlungsspielräume erscheinen kleiner, wir finden weniger Lösungen, fühlen uns als wären wir in einer Sackgasse gelandet…
Genau dann versuchen wir manchmal, noch intensiver nachzudenken, obwohl uns eine bewusste Unterbrechung viel mehr helfen würde.
Aus meiner Erfahrung kann es in solchen Momenten sehr wertvoll sein, die Aufmerksamkeit bewusst vom Kopf in den Körper zu lenken. Vor allem in den Raum des eigenen Herzens.
Wir können uns beispielsweise fragen:
Wie fühlt sich mein Atem gerade an?
Wo halte ich Spannung im Körper fest?
Spüre ich den Boden unter meinen Füßen? Spüre ich die Auflagefläche unter meinem Gesäß?
Was fühle ich eigentlich wirklich – jenseits all meiner Gedanken - über die Situation?
Wird es in meinem Herzen weit und leicht oder eng und beklemmend?
Manchmal gelingt es durch dieses bewusste Hineinspüren, dass der Kopf stiller wird. Manchmal fließen Tränen, manchmal stellt sich ein tiefes Glücksgefühl ein. Vielleicht nehmen wir aber auch zunächst Müdigkeit, innere Unruhe oder körperliche Beschwerden wahr.
Nicht alles, was wir entdecken, muss angenehm sein.
Embodiment bedeutet nicht, nur schöne Gefühle zu erleben. Es bedeutet, wieder bewusster mit dem in Kontakt zu kommen, was gerade in uns lebendig ist.
Und manchmal entsteht daraus ein tiefes Gefühl von Frieden. Als würden wir unsere Energie (Aufmerksamkeit = Energie), die den ganzen Tag im Außen beschäftigt war, wieder nach Hause holen.
Der Körper als Freund und Verbündeter – was brauchst du wirklich?
Vor Kurzem erzählte mir eine Patientin, wie erleichternd es für sie gewesen sei, krank zu sein.
Endlich durfte sie sich ausruhen, auf dem Sofa liegen, Serien schauen und einfach einmal nichts tun.
Das hat mich nachdenklich gemacht und daran erinnert, dass in jedem Symptom eine tiefe Weisheit bzw. „positive Absicht“ verborgen liegt.
Wie oft erlauben wir uns Erholung erst dann, wenn unser Körper uns dazu zwingt?
Vielleicht wäre es viel heilsamer, schon die ersten Signale von Müdigkeit, Überforderung oder Anspannung ernst zu nehmen.
In meiner Abschlussarbeit zur psychosozialen Beratung habe ich mich bereits 2020 intensiv damit beschäftigt, wie hochsensible Menschen ihren Körper wieder als Freund und Verbündeten wahrnehmen können.
Nicht als etwas, das immer funktionieren muss, sondern als einen Teil von uns, der unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge verdient.
Interozeption – die Wahrnehmung unseres inneren Körpers
In der Wissenschaft sprechen wir in diesem Zusammenhang von Interozeption – unserer Fähigkeit, innere körperliche Vorgänge und Empfindungen wahrzunehmen und einzuordnen.
Dazu gehören beispielsweise Herzschlag, Atmung, Hunger, Sättigung oder körperliche Anspannung.
Dabei ist nicht nur entscheidend, was wir spüren, sondern auch, wie wir diese Signale interpretieren und auf sie reagieren.
Durch regelmäßige achtsame Praxis können wir unsere Körperwahrnehmung und den Umgang mit unseren Bedürfnissen schulen.
Es geht nicht darum, jedes körperliche Symptom psychologisch zu deuten. Schmerzen oder andere Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei Bedarf medizinisch abgeklärt werden.
Aber wir dürfen zusätzlich neugierig fragen:
Habe ich heute ausreichend gegessen und getrunken? Wie habe ich geschlafen? Brauche ich eine Pause, Bewegung oder Unterstützung?
Vielleicht lernen wir dadurch, früher und liebevoller auf unsere Bedürfnisse zu reagieren, statt immer wieder über unsere eigenen Grenzen hinauszugehen.
Klare Entscheidungen treffen – wie Kopf, Herz und Bauch uns den Weg weisen
Kennst du das Gefühl, vor einer wichtigen Entscheidung zu stehen und dich gedanklich völlig im Kreis zu drehen?
Du erstellst Listen, wägst Vor- und Nachteile ab und findest für jede Möglichkeit neue Argumente.
Doch je länger du darüber nachdenkst, desto unklarer wird alles.
Gerade in solchen Situationen kann es wertvoll sein, den Körper bewusst in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Ich unterscheide in meiner persönlichen Praxis gerne zwischen drei Ebenen: Bauchgefühl, Herzensweisheit und Verstand.
Unser Bauch reagiert manchmal sehr unmittelbar. Vielleicht spüren wir Nervosität, Druck oder ein Zusammenziehen.
Doch Achtung – ein nervöses Bauchgefühl bedeutet nicht automatisch, dass eine Entscheidung falsch ist.
Auch ein wichtiger Wachstumsschritt kann Angst in uns auslösen!
Manchmal fühlen wir im Bauch Unsicherheit und spüren gleichzeitig auf einer tieferen Ebene, dass uns ein bestimmter Weg entspricht.
Ich nenne diese innere Stimmigkeit gerne Herzensweisheit. Für mich ist sie häufig mit einem ruhigen, entspannten und gleichzeitig weiten Gefühl im Brustkorb verbunden.
Und natürlich dürfen wir unseren Verstand keinesfalls vergessen.
Unser Verstand ist ein wertvoller Diener. Er hilft uns, Informationen zu prüfen, Konsequenzen abzuschätzen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Doch kann er meist nur auf das zurückgreifen, was wir bereits kennen.
Unsere Intuition kann uns jedoch manchmal auf etwas aufmerksam machen, das wir noch nicht bewusst in Worte fassen können.
Für mich entsteht ein stimmiges Ja dann, wenn Kopf, Herz und Bauch möglichst gut miteinander im Einklang sind.
Das ist kein unfehlbarer Entscheidungstest, sondern eine Einladung, unsere verschiedenen Wahrnehmungsebenen miteinander in Dialog zu bringen.
Vielleicht möchtest du vor deiner nächsten wichtigen Entscheidung bewusst innehalten:
Bei welcher Möglichkeit entsteht in mir mehr Weite, Freiheit und Lebendigkeit? Und wo fühle ich Enge oder Widerstand?
Auch ein Widerstand kann unterschiedliche Ursachen haben. Vielleicht zeigt er uns eine wichtige Grenze – vielleicht aber auch die Angst vor einem wertvollen nächsten Entwicklungsschritt.
Deshalb dürfen unsere Körperempfindungen wichtige Wegweiser sein, ohne dass wir ihnen blind folgen müssen.
Embodiment und Hochsensibilität – die eigene Wahrnehmung als Ressource nutzen
Gerade für hochsensible Menschen können die Erkenntnisse aus der Embodiment-Forschung ein besonders wertvoller Zugang zu mehr Selbstverbundenheit und innerer Balance sein.
Hochsensibilität lässt sich als besondere Wahrnehmungssensibilität verstehen. Sie ist keine Erkrankung und auch nicht mit einer Hypervigilanz als Traumafolge gleichzusetzen.
Hochsensible Menschen zeichnen sich häufig durch eine besonders differenzierte Wahrnehmung, intensive Verarbeitung von Eindrücken, Empathie und ein reiches Innenleben aus.
Diese Fähigkeiten bergen viele Potenziale: Kreativität, Feingefühl, einen ausgeprägten Blick für Details und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.
Gleichzeitig können viele äußere und innere Reize anstrengend werden und zu Überlastung führen.
Besonders empathische Menschen richten ihre Aufmerksamkeit manchmal sehr stark nach außen und fühlen viel von dem, was ihre Mitmenschen bewegt.
Wie geht es meinem Gegenüber? Was braucht mein Partner? Wie kann ich die Situation verbessern?
Dabei gerät die Frage, was wir selbst brauchen, leicht in den Hintergrund.
In meiner Abschlussarbeit „Beratung & Physiotherapie für hochsensible Menschen“ habe ich deshalb der Eigenwahrnehmung und gesunden Abgrenzung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Bei sich bleiben, auch wenn im Außen viel passiert
Eine wertvolle Möglichkeit ist, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu teilen.
Während wir einem anderen Menschen zuhören und seine Gefühle wahrnehmen, können wir gleichzeitig mit einem Teil unserer Aufmerksamkeit bei uns selbst bleiben.
Vielleicht spüren wir dabei unsere Füße am Boden, den Kontakt unseres Beckens zum Sessel oder unseren Atem.
Das klingt zunächst unspektakulär, kann aber eine sehr hilfreiche Übung sein.
Eine gute Verbindung zum eigenen Körper kann uns dabei unterstützen, unsere Grenzen früher zu erkennen und bewusster mit unserer Energie umzugehen.
Vielleicht bemerken wir rechtzeitig, dass wir eine Pause brauchen. Vielleicht spüren wir in einem Gespräch, dass wir angespannt werden, oder erkennen, dass es Zeit ist, freundlich und klar Nein zu sagen.
Für hochsensible Menschen kann es besonders wohltuend sein, die Aufmerksamkeit immer wieder vom Außen nach innen zu lenken.
Nicht, um weniger sensibel zu werden.
Sondern um die eigene Sensibilität bewusster und selbstbestimmter leben zu können.

Achtsame Bewegung und Körperhaltung – wie wir unser inneres Erleben beeinflussen können
Bisher haben wir vor allem darüber gesprochen, wie wir unsere körperlichen Signale besser wahrnehmen können.
Doch ebenso spannend ist die andere Richtung:
Durch bewusste Bewegung, Körperhaltung und Atmung können wir auch unser emotionales Erleben beeinflussen.
Vielleicht hast du schon einmal beobachtet, wie sich deine Stimmung nach einem Spaziergang, einer Yogastunde oder einer wohltuenden Bewegungseinheit verändert.
Oder wie du nach längerem Sitzen deinen Körper sanft aufrichtest und plötzlich freier durchatmen kannst.
Dabei gibt es nicht die eine perfekte Körperhaltung.
Eine eingesunkene Haltung kann beispielsweise Ausdruck von Müdigkeit, Gewohnheit oder dem Bedürfnis nach Schutz sein.
Es geht also nicht darum, sich ständig zu korrigieren oder eine vermeintlich ideale Haltung zu erzwingen.
Vielmehr dürfen wir neugierig erforschen:
Wie verändert sich meine Atmung, wenn ich mich sanft aufrichte? Was geschieht mit meiner inneren Präsenz? Fühle ich mich kraftvoller, freier oder vielleicht einfach nur anders?
In dem Buch „Achtsame Körperhaltung“ von Renate Lauper und Dr. med. Christian Larsen wird die Bedeutung einer differenzierten Körperwahrnehmung besonders schön beschrieben.
Mich spricht dabei vor allem die Erkenntnis an, dass es nicht ausschließlich darauf ankommt, wie viel wir uns bewegen, sondern mit welcher Qualität und Aufmerksamkeit wir es tun.
Das ist auch ein wesentliches Prinzip meines Female Flow Physio-Yoga: https://nadinepetzel.com/female-flow-physio-yoga/
Wir verbinden präzise, anatomisch sinnvolle Bewegung mit Atmung, achtsamer Wahrnehmung und Entspannung.
So wird die Übungspraxis nicht nur zu einem körperlichen Training, sondern auch zu einer Gelegenheit, unsere Selbstwahrnehmung zu vertiefen.
Vom Gedankenkarussell in die Stille – manchmal führt der Weg über Bewegung
In der Yogaphilosophie wird ein besonders aktiver, unruhiger Geisteszustand als rajasig beschrieben.
Vielleicht kennst du solche Tage, an denen du dich hinsetzt, um zu meditieren, und dein Geist scheinbar noch lauter wird.
Ein Gedanke jagt den nächsten.
Gerade dann ist stilles Sitzen nicht immer der hilfreichste Einstieg.
Aus meiner langjährigen Meditations- und Yogapraxis sowie meiner buddhistischen Geistesschulung habe ich gelernt, wie wertvoll es sein kann, zunächst über den Körper zur Ruhe zu finden.
Ein paar sanfte Yogaübungen, bewusste Atmung, das Wahrnehmen der Füße am Boden oder auch eine wohltuende, achtsam ausgeführte Berührung können helfen, unsere Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment zu verankern.
Manchmal führt uns der Weg zur inneren Stille zunächst über die achtsame Bewegung.
Genau darin liegt für mich eine der besonderen Qualitäten von Yoga: Wir verbinden Bewegung, Atem und Bewusstsein.
Nicht, um noch mehr zu leisten, sondern um für einen Moment aus dem ständigen Tun auszusteigen und wieder ganz da zu sein.
Embodiment bewusst praktiziert – warum regelmäßige Übung so wertvoll ist
Vor Kurzem erzählte mir eine Klientin, dass sie ihre Beckenbodenübungen abends vor dem Fernseher mache.
Eine Aussage, die mir wieder einmal zeigte, wie selbstverständlich wir versuchen, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen.
Natürlich ist es besser, sich überhaupt zu bewegen, als gar nicht.
Doch wenn wir unsere Körperwahrnehmung verfeinern möchten, macht es einen Unterschied, ob wir Übungen mechanisch und nebenbei absolvieren oder unsere volle Aufmerksamkeit darauf richten.
Wie bewege ich mich?
Wo entsteht Spannung, wo Leichtigkeit?
Wie verändert sich mein Atem?
Vielleicht bemerkst du plötzlich, dass du bei einer Übung unbewusst die Luft anhältst oder deine Schultern anspannst, obwohl du eigentlich deine Bauchmuskulatur trainieren möchtest.
Erst wenn wir unsere Gewohnheiten bewusst wahrnehmen, können wir beginnen, sie gezielt zu verändern.
Genau das macht achtsames Üben so wertvoll.
Und dafür braucht es nicht unbedingt viel Zeit. Manchmal reichen wenige Minuten ungeteilter Aufmerksamkeit.
Entscheidend sind die Regelmäßigkeit und die Bereitschaft, uns wirklich auf unsere Erfahrungen einzulassen.
Denn Körperbewusstsein entwickelt sich nicht über Nacht. Es ist eine Fähigkeit, die wir kultivieren dürfen – mit Geduld, Freude und liebevoller Aufmerksamkeit.
Eine kleine Embodiment-Übung für dich
Vielleicht möchtest du dir gleich jetzt einen Moment Zeit schenken.
Setze dich bequem hin und spüre den Kontakt deiner Füße zum Boden.
Nimm wahr, wie dein Körper getragen wird.
Spüre deine Kleidung auf der Haut. Vielleicht bemerkst du die Temperatur im Raum oder die Bewegung deines Brustkorbs.
Richte deine Aufmerksamkeit anschließend sanft auf deinen Atem.
Beobachte, wie die Luft über deine Nase in deinen Körper ein- und etwas wärmer wieder ausströmt.
Lass die Gedanken sein.
Versuche keinesfalls, deinen Kopf auf Knopfdruck zum Schweigen zu bringen, sondern richte deinen Fokus immer wieder auf die Atmung, wenn du bemerkst, dass du gerade mit etwas anderem beschäftigt warst.
Du musst nichts verändern.
Wenn es sich angenehm anfühlt, lege eine Hand auf deine Herzregion und bleibe für einige Atemzüge mit deiner Aufmerksamkeit dort.
Vielleicht wird es etwas ruhiger in dir. Vielleicht auch nicht. Beides darf sein.
Beobachte einfach, was du wahrnimmst.
Du bist hier. In deinem Körper. In diesem Moment.
Eine meiner liebsten Übungen ist die herzfokussierte Atmung, die ich bei einer Weiterbildung des HeartMath Instituts kennengelernt und mit Elementen aus meiner eigenen Meditations- und Körperarbeit erweitert habe.
Sie verbindet Körperwahrnehmung, bewusste Atmung und die Verbindung mit unserem Herzen.
Ich nutze sie selbst regelmäßig und leite sie auch in meiner Arbeit an.
Dabei legst du die Hände auf die Mitte deines Brustbeines und atmest einfach einen Hauch tiefer ein und aus - fokussierst dich auf dein Herz - und stellst dir vor, wie du über dein Herz ein- und ausatmest. Weich, sanft, mühelos und leicht. Währenddessen schenkst du dir ein leises Lächeln und einen liebevollen, milden Blick auf dich selbst.
Manifestieren und Wunscherfüllung? Embodiment bedeutet auch, das eigene Leben bewusst zu verkörpern
Zum Abschluss möchte ich noch einen Gedanken mit dir teilen.
Wir sprechen heute viel darüber, unser Leben bewusst zu gestalten, neue Möglichkeiten zu visualisieren und unsere Wünsche und Träume zu „manifestieren“. Das ist fast schon zu einem Trend geworden…
Persönliche Entwicklung geht über das reine Vorstellen hinaus.
Es geht auch darum, bereits heute etwas von dem zu verkörpern, was wir leben möchten.
Wie möchte ich mich in meinem Körper fühlen?
Mit welcher Haltung möchte ich durchs Leben gehen?
Wie bewege ich mich, atme und handle ich, wenn sich meine Wünsche bereits erfüllt haben? Wenn ich mehr innere Ruhe, Klarheit, Gelassenheit und Vertrauen erlebe?
Vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau hier: nicht allein mit einem neuen Gedanken, sondern mit einer neuen Erfahrung, die wir auch körperlich erleben und Schritt für Schritt in unseren Alltag integrieren.
Eine bewusst gewählte Körperhaltung wird nicht automatisch unsere Wünsche erfüllen. Aber sie kann uns unterstützen, neue Erfahrungen mit uns selbst zu machen und gewünschte Qualitäten im Alltag tatsächlich zu leben. Mal angenommen, jemand wünscht sich eine erfüllte Partnerschaft. Dann könnte diese Person damit beginnen, sich so zu kleiden, zu denken und zu bewegen, als wäre der/die Wunschpartner*in bereits da.
Und vielleicht führt uns dieser Weg wieder näher zu dem, was wir im Grunde längst in uns tragen.
Zu unserer Lebendigkeit.
Unserer inneren Klarheit.
Und einem tiefen Gefühl von Verbundenheit mit uns selbst - weil dort nachhaltige Veränderung beginnt.
Wenn du Embodiment nicht nur verstehen, sondern erleben möchtest
In meinem Female Flow Physio-Yoga (https://nadinepetzel.com/female-flow-physio-yoga/) verbinden wir 20 Jahre Know-how aus ganzheitlicher Physiotherapie, Pilates-Elemente, Spiraldynamik® (intelligent movement), heilsames und sanftes Yoga, bewusste Atmung und tiefe Entspannung.
Es geht um mehr als Kraft und Beweglichkeit. Es geht darum, deinen Körper bewusster kennenzulernen und dich wieder wohl und zu Hause in dir und in deinem Leben zu fühlen.
Die Einheiten finden 2 x /Woche online statt und stehen während des jeweiligen Trimesters auch als Video-Aufzeichnungen zur Verfügung.
Und wenn du dir eine echte Auszeit an einem magischen Ort wünschst, lade ich dich herzlich zu meinem heilsamen Frauen-Retreat „Die Magie des Frau-Seins“ vom 7. bis 10. Jänner 2027 am Weissensee ein: https://nadinepetzel.com/retreat-frau-sein/
Eine Gelegenheit, bewusst aus dem Alltag auszusteigen, in Bewegung und Stille wieder bei dir anzukommen, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen und dich mit deiner Lebensenergie und deiner weiblichen Kraft zu verbinden.
Ich freue mich, wenn wir uns begegnen.
Von Herzen,
Nadine 💗
Copyright Bilder: Elias Laurin Meyer
Literatur und wissenschaftliche Hintergründe
Storch, M., Cantieni, B., Hüther, G. & Tschacher, W.: Embodiment – Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Huber.
Lauper, R. & Larsen, C.: Achtsame Körperhaltung. Via Nova.
Petzel, N. K. (2020): Beratung & Physiotherapie für hochsensible Menschen. Abschlussarbeit Lebens- und Sozialberatung.
Strack, F., Martin, L. L. & Stepper, S. (1988): Inhibiting and facilitating conditions of the human smile: A nonobtrusive test of the facial feedback hypothesis.
Wagenmakers, E.-J. et al. (2016): Registered Replication Report: Strack, Martin, & Stepper (1988).
Coles, N. A. et al. (2022): A multi-lab test of the facial feedback hypothesis.






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