Hochsensitive Kinder

Highly Sensitive Children oder HSC
von Cäcilia Brodesser

Seit ca. 20 Jahren werden vermehrt Kinder geboren, die in unser bisheriges Leistungsschema nicht mehr hineinpassen. Sie sind sensibler, intuitiver, oft zurückhaltend und schüchtern und haben ein großes Problem mit unserer schnelllebigen Zeit und dem dazugehörigen Leistungsdruck. Sie merken, dass es bei einem Wettbewerb nur eine/n Gewinner/in geben kann, aber viele Verlierer/innen. Das passt so gar nicht in ihr Schema von Gleichberechtigung, von sozialer Einstellung, von Gerechtigkeit. Sie sind sehr kreativ, liebevoll, voller Fantasie und verfügen über ein moralisches und ethisches Taktgefühl.

Ihren Kamerad/innen gegenüber sind sie mitfühlend und sehr hilfsbereit. Ihnen fehlt es aber oft an Selbstbewusstsein und Selbstwert, da ihre besondere Feinfühligkeit nicht genügend Beachtung in unserer Gesellschaft findet. Sie haben ein großes Verlangen nach Liebe, Zuwendung und Geborgenheit. Das führt meistens zu einer Überforderung der Eltern, diese Gaben nicht so schnell und intensiv geben können, wie es die Kinder fordern.

Wenn sie sich nicht verstanden fühlen, dann zeigen hochsensitive Kinder ein auffälliges Verhalten, zum Beispiel Aggressivität, Rückzug, Hyperaktivität (meistens in abgeschwächterer Form als primär hyperaktive Kinder), Unruhe und Ruhelosigkeit. In diesem Fall sollten sie sich abreagieren können, etwa durch Bewegung wie Tanzen, Springen, Klettern, Spielen in der Natur und Sport treiben, oder sich in ein ruhiges Zimmer zurückziehen dürfen. Durch ihre feinfühligen Empfindungen nehmen sie von anderen Personen, die nicht zentriert sind, die Gedanken und Gefühle auf, können sie aber nicht genügend verarbeiten und sich auch nicht davor schützen. Deshalb ist es empfehlenswert, das Kind rechtzeitig aus solchen Situationen herauszunehmen, damit es seine Energiereserven wieder auftanken kann.

Hochsensitive Säuglinge schlafen meist sehr viel oder sie sind sogenannte „Schreibabys“. Wenn das Umfeld sehr hektisch und nicht ausgeglichen ist, entziehen sie sich durch langes Schlafen oder durch gedankliches Abschweifen. In der Schule sind hochsensitive Kinder benachteiligt, da unser Leistungssystem ihnen gar nicht gerecht wird. Da sie sich hauptsächlich für das praktische Leben und dessen Zusammenhänge interessieren, können sie nicht verstehen, warum sie für sie „sinnlose Dinge“ in ihre Gedankengänge aufnehmen sollen. In der Schule kann sich das oft katastrophal auswirken, indem den Kindern Unkonzentriertheit, mangelnde Aufmerksamkeit, Verträumtheit und Unnahbarkeit nachgesagt wird. Wenn sie sich von Lehrer/innen oder Mitschüler/innen gekränkt und verletzt fühlen, ziehen sie sich meist zurück. Das kann soweit führen, dass sie mit diesen Kindern keinen Kontakt mehr pflegen möchten.

Hochsensitive Kinder benötigen eine angenehme, ruhige, stressfreie Atmosphäre in Kindergarten und Schule, sie sollten in ihrer Eigen- und Selbstständigkeit unterstützt werden. Durch das Wahrnehmen ihrer Bedürfnisse kann man ihnen am besten gerecht werden. Eine liebevolle konsequente Führung mit zeitgemäßen Lernmethoden, wie nach Maria Montessori, Rudolf Steiner, Freinet und anderen reformpädagogischen Ansätzen, sollte hochsensitiven Kindern zur Auswahl angeboten werden. Immer wieder benötigen sie Phasen der Regeneration. Sie fordern von den Erwachsenen eine liebevolle, wertschätzende Führung mit starken Grenzen. Sollten ihnen diese nicht gewährt werden, empfinden die Kinder es sogar als Missachtung ihrer Person. Oft brauchen die Erwachsenen Hilfe, um ihre eigenen Grenzen zu erkennen, und dadurch dem hochsensitiven Kind besser gerecht zu werden.

Wenn die Mutter in ihren Emotionen nicht gefestigt ist, spürt es das Kind und es fehlt ihm an emotionalem Halt. Da ist es ratsam für die Mutter, Eigenliebe und Selbstbewusstsein zu entwickeln, um es ihrem Kind vorleben zu können. Außerdem bewahrt es sie vor dem „Ausbrennen“. Zu unterlassen wäre es, ein hochsensitives Kind nur einseitig in seinen sensitiven Seelenstrukturen zu fördern. Es sollte zu einer selbstständigen, durchsetzungskräftigen, verantwortungsbewussten, mutigen, flexiblen Persönlichkeit geführt werden, um seinen eigenen Weg im Leben finden zu können.

Hochsensitive Kinder brauchen eine gesunde, ausgewogene Ernährung, ansonsten reagieren sie mit Allergien, Vitamin- und Mineralstoffmangel und sonstigen Begleiterscheinungen. In ständigen Stresssituationen lebende Kinder neigen besonders zu Unverträglichkeiten. Auch zu hoher Computer- und TV-Konsum, Elektrostress, Geburtstraumen und Schockerlebnisse können zu Dysfunktionen im Körper führen. Nach übermäßigem Zuckerkonsum reagieren viele dieser Kinder mit Ruhelosigkeit und aggressivem Verhalten. Zu überprüfen wäre, ob eine Pilzbelastung des Darms (Darmmykose) vorhanden ist oder ob den Kindern „die Süße des Lebens“ fehlt.

Wenn wir einem hochsensitiven Kind mit Liebe, Achtsamkeit und Verständnis begegnen, dann fühlt es sich in seinem Anderssein angenommen und geborgen. Das wäre die ideale Umgangsform mit einem HSC! Seien wir dankbar für die wertvollen Eigenschaften, die diese Kinder mitbringen!

Hier ist ein Selbsttest zum Thema hochsensitive Kinder zu finden.

Literatur:

Antje Gertrud Hofmann: Hochsensible Kinder
Aurum Verlag
ISBN-13: 978-3899014860

Berend Jager: Das intuitive Kind
Aurum Verlag
ISBN 3-591-08444-1

Termine siehe WANN

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